Wirtschaftsbarometer Saar 2. Quartal 2017

Chinas Premier Xi Jinping hatte zum G20 Gipfel in Deutschland nicht nur Pandas im Gepäck, sondern auch gleich einen Riesenauftrag für Airbus. 140 Flugzeuge bestellte die Volksrepublik, im Wert von knapp 20 Milliarden Euro. Doch die chinesische Führung stärkt selbstverständlich nicht ohne politisches Kalkül die Wirtschaftsbeziehungen zu Europa. Unter der nicht abreißenden Kritik und den Drohkulissen des US-Präsidenten Trump an China und auch der Bundesrepublik  verlagern sich gerade die Schwerpunkte in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit der führenden Industrienationen. Donald Trumps Kritik richtet dabei vor allem auf den Überschuss im Außenhandel von Deutschland und China. Bei genauerem Hinsehen sind es aber nicht nur die wirtschaftlichen Vorstellungen der Bundesregierung und US-Administration, die fundamental voneinander abweichen. Der Ursprung liegt bereits in der Weltanschauung und der Definition der Globalisierung. Für Angela Merkel bedeutet die wirtschaftliche Kooperation der Nationen eine Chance für jeden, gemeinsam zu wachsen und voneinander zu profitieren. Für Donald Trump gilt das Gesetz des Stärkeren und damit der Untergang des Schwächeren, in einem Wettkampf um Ressourcen und den besten Deal für das eigene Land – America first. Jedoch darf der janusköpfige Charakter in Chinas neu entdeckter Globalisierungsförderung nicht ausgeblendet werden. Ist es doch die Volksrepublik selbst, die nichts unversucht lässt, die eigene Wirtschaft vor ausländischer Einflussnahme zu schützen und immer neue Barrieren im Waren- und Kapitalverkehr errichtet. Xi Jinping weiß sich zu inszenieren und die Lücken mit Chinas Wirtschaftskraft zu füllen, die der amerikanische Rückzug aus der Weltwirtschaft hinterlässt.

 

Die krisengebeutelten Europäer dürfen sich jedoch nicht dauerhaft auf Hilfe von außerhalb verlassen. Das Verhältnis der Union zu Russland und der Türkei gilt seit der Krim-Annexion und dem Putschversuch in Ankara als zerrüttet. Gleichzeitig wurde dieser Tage erneut ein Milliarden-Hilfspaket bewilligt, um Griechenland vor einem Staatsbankrott zu retten. Zeitgleich vermeldet die Krisenbank Monte dei Paschi in Italien, dass das Kreditinstitut 5500 Stellen streichen und jede dritte Filiale bis 2021 schließen wird, um aus den roten Zahlen zu kommen.

 

Gespannt blickt die Staatengemeinschaft auch auf Frankreich. Geplagt von jahrelangem Niedrigwachstum hofft die Wirtschaft auf neue Impulse durch das angekündigte Reformprogramm des französischen Präsidenten Macron. Die Entwicklung bleibt abzuwarten, die Gewerkschaften des Landes rüsten sich bereits zum Protest, sollte das neue Staatsoberhaupt zu stark an Arbeitnehmerrechten schrauben wollen.

 

Zurück ins Saarland, raus aus den Kernindustrien

 

In keinem anderen Bundesland ist die Rückkehrer-Quote so hoch, wie im Saarland. Einwohner, die es in andere Gefilde verschlagen hat kehren häufig wieder in ihr Heimatbundesland zurück. Und das obwohl das Saarland im bundesdurchschnitt eher auf schwachen finanziellen Beinen steht. Gemeinsam mit Bremen bleibt das Bundesland unter verschärfter Haushaltskontrolle. Den Investitionsmöglichkeiten der Landesregierung ist damit ein enger Rahmen vorgegeben.

 

Die saarländischen Kernindustrien der Stahlerzeugung und -verarbeitung sowie die Automobilzuliefererindustrie sind derweil von Sorgen geplagt. Die mögliche Abkopplung des britischen Wirtschaftsraums von der EU trifft die saarländische Wirtschaft besonders hart. Das Wahlergebnis aus Großbritannien hat die Wirtschaft weiter verunsichert, war das Vereinigte Königreich mit einem Volumen von 2,3 Milliarden Euro doch im vergangenen Jahr der größte Exportmarkt für die regionale Wirtschaft. Eine Hiobsbotschaft für die Automobilzulieferer verkündete Volvo Anfang des Monats. Der Autohersteller will in zwei Jahren kein Auto mehr ohne Elektromotor mehr produzieren. Der schwedische Konzern verabschiedet sich damit von Benzin- und Dieselmotoren. Die Branche ist im Umbruch! Eine Entwicklung, die auch die Unternehmen an der Saar nicht mehr lange kalt lassen kann.

 

Gleichzeitig droht US-Präsident Trump mit möglichen Strafzöllen für europäische Importe, u.a. auf Erzeugnisse der Stahlindustrie. Der Emissionshandel innerhalb der EU belastet die Industrie zusätzlich und könnte Unternehmen ab 2021 ca. 135 Millionen Euro im Jahr kosten.

 

Doch es gibt auch positive Nachrichten für die heimische Wirtschaft. Die Fläche der Großregion wächst! Der saarländische Europaminister Toscani verkündete jüngst, dass das Département Meuse ab 2018 als Vollmitglied in die Großregion Saar-Lor-Lux, Wallonie und Westpfalz aufgenommen wird. Das Département Ardenne erhält einen Beobachterstatus. Die Erweiterung soll die grenzüberschreitende Kooperation in der Region stärken.

 

Unternehmensentwicklung schwächer als zuvor

 

Befragt nach der Unternehmensentwicklung in den letzten zwei bis drei Jahren antworteten im Durchschnitt des vergangenen Jahres noch 58 Prozent der Unternehmen mit sehr gut bis gut. Im ersten Quartal 2017 waren es sogar 62 Prozent der Befragten. Der Aufwärtstrend ist jedoch vorerst gestoppt. Auf die persönliche Einschätzung angesprochen antworteten im zweiten Quartal gerade noch 55 Prozent der Firmeninhaber*innen positiv. Gleichzeitig stieg die Zahl der Unentschlossenen im Vergleich zum vergangenen Quartal um fünf auf 19 Prozent. Höher war dieser Wert lediglich im 4. Quartal 2015 und im 3. Quartal 2016 (jeweils 20%). Eine befriedigende bis ausreichende Unternehmensentwicklung verzeichnen ebenfalls 20 Prozent. Zeitgleich stieg der Anteil der Unternehmen mit mäßiger und rückläufiger Entwicklung um ein Prozent auf fünf Prozentpunkte.

Saarländische Unternehmen bleiben optimistisch

 

Saarländische Unternehmerinnen und Unternehmer blicken auch weiterhin optimistisch in die Zukunft. Mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen gaben an, eine sehr gute bis gute Auftragslage in Ihren Büchern zu verzeichnen. Gerade einmal 15 Prozent schauen pessimistischer auf die kommenden sechs Monate und geben eine mittelmäßige Auftragslage an. Die Unsicherheit unter den saarländischen Firmen wächst jedoch. Im zweiten Quartal 2017 gab ein Fünftel der Befragten an, dass ihnen unsichere Monate bevorstehen. Das sind drei Prozent mehr, als im ersten Quartal des Jahres. Die Quote ist damit wieder auf Vorjahresniveau.

Creditreform befragte für die Quartalsumfrage 563 Unternehmen im Saarland.

 

Über Creditreform:

 

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