Schuldentragfähigkeit der deutschen Unternehmen

Welche Folgen hätten eine Erhöhung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB) und folglich ein Anstieg der Fremdkapitalzinsen für die traditionell fremdfinanzierte deutsche Wirtschaft? Die Creditreform Wirtschaftsforschung untersuchte auf Basis von Bilanzdaten von rund 7.400 Unternehmen mögliche Auswirkungen für die Schuldentragfähigkeit der deutschen Unternehmen.

Deutsche Wirtschaft von Kreditkonditionen abhängig

Die Verschuldung der deutschen Unternehmen ist traditionell hoch. Damit verbunden ist eine vergleichsweise große Abhängigkeit von Banken und Kreditgebern. Trotz der historisch niedrigen Kreditzinsen und einer allgemein guten Ertragslage konnten viele Unternehmen (15,4 Prozent) im Betrachtungszeitraum 2014 bis 2016 ihre Zinsaufwendungen nicht aus dem operativen Geschäftsergebnis finanzieren. Unter diesen Unternehmen ist eine höhere Ausfallgefährdung zu vermuten. Dieser Anteil würde entsprechend ansteigen, wenn sich die Finanzierungsbedingungen verschlechtern, weil die Zinsen steigen.

Drei Szenarien mit einem unterschiedlichen Anstieg der Zinsen für Firmenkredite wurden betrachtet:

Ein moderater Zinsanstieg für langfristiges Fremdkapital um plus 1,5 Punkte durch den Kreditgeber würde die Schuldentragfähigkeit verringern und den Anteil der Unternehmen, die keine adäquate Zinsdeckung erreichen, um 1,5 Prozentpunkte ansteigen lassen (16,9 Prozent der Unternehmen).

… und dann noch Ertragsverluste

Bei einer Erhöhung der Zinsen um drei Prozentpunkte für die Unternehmensfinanzierung würde fast jedes fünfte Unternehmen (19,3 Prozent) keine adäquate Zinsdeckung mehr erreichen. Das heißt: Die erwirtschafteten Erträge (EBIT) würden bei diesen Unternehmen bei weitem nicht ausreichen, um die Zinsen für die aufgenommenen Kredite zu bedienen (Anstieg der betroffenen Unternehmen um 3,9 Prozentpunkte).

Und ein drittes Szenario zeigt: Selbst ein moderater Zinsschritt (plus 1,5 Basispunkte) in Verbindung mit einem Ertragsrückgang (um ein Fünftel) aufgrund einer schwächeren Konjunkturentwicklung würde die Schuldentragfähigkeit der Unternehmen spürbar belasten. 18,5 Prozent der Unternehmen hätten dann keine ausreichende Zinsdeckung mehr.

Ein künftiger (spürbarer) Zinsschritt würde insbesondere den Dienstleistungssektor belasten. Der Handel wäre weniger stark betroffen. Regional betrachtet wäre die Wirtschaft in den südlichen Bundesländern Deutschlands besser gegen eine Zinserhöhung gewappnet als die in den nördlichen Bundesländern.

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Neuss, 12.12.2017

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