Regionale Insolvenzen – regionale Schulden

Creditreform beleuchtet in der Analyse der Insolvenzen 2016 auch die regionale Insolvenzsituation bei den Unternehmen auf Basis deutscher Großstädte mit der höchsten Insolvenzgefahr. Auf dem ersten Platz in dieser Rangliste mit den meisten Unternehmensinsolvenzen steht die Stadt Dortmund. Von 10.000 Unternehmen, die ihren Sitz in der Stadt haben, mussten im vergangenen Jahr 159 Unternehmen in die Insolvenz. Geschuldet ist diese Situation einer Vielzahl von Kleininsolvenzen im Bereich des Handels und der konsumnahen Dienstleistungen.

Auf den Plätzen 2 und 3 folgen Halle (Saale) mit einer Insolvenzquote von 149 und Gelsenkirchen (146). Unter den zehn deutschen Städten mit der höchsten Insolvenzgefährdung für Unternehmen finden sich zudem Oberhausen, Duisburg, Essen, Bochum, Mannheim, Magdeburg sowie Rostock. Außer Mannheim handelt es sich also um Städte des Ruhrgebiets und Ostdeutschlands. Am stabilsten sind die Unternehmen in Freiburg i. Breisgau, wo von 10.000 Unternehmen lediglich 55 insolvent sind.

Regionale Insolvenzen – regionale Schulden
Gemeinde Insolvenzquote
Dortmund 159
Halle (Saale) 149
Gelsenkirchen 146
Oberhausen 125
Duisburg 125
Essen 123
Bochum 122
Mannheim 114
Magdeburg 112
Rostock 109
Lübeck 106
Nürnberg 106
Bremen 100
Chemnitz 99
Mönchengladbach 99
Leipzig 97
Münster 97
Berlin 97
Augsburg 93
Frankfurt am Main 90
Krefeld 90
Hamburg 89
Düsseldorf 88
Bonn 88
Aachen 86
Köln 85
Braunschweig 84
Dresden 84
Karlsruhe 84
Hannover 82
Bielefeld 81
Kiel 81
Erfurt 78
München 70
Stuttgart 69
Wiesbaden 68
Wuppertal 66
Mainz 60
Freiburg im Breisgau 55
>200.000 Einwohner 89

Generell ist die Insolvenzanfälligkeit für Unternehmen in deutschen Großstädten höher. So hatte gut jedes dritte Unternehmen (31,2 Prozent), das im Vorjahr in Deutschland in die Insolvenz ging, seinen Sitz in einer Stadt mit mehr als 200.000 Einwohnern. Dagegen sind nur 29,4 Prozent aller deutschen Unternehmen in einer solchen Stadt beheimatet.

Wie schwierig die Situation nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für die Städte selbst ist, zeigt auch eine aktuelle Analyse der Unternehmensberatung Ernst & Young. Bei der Verschuldung der Großstädte – die hier mit 100.000 Einwohnern beginnen - fällt, wie bei den Unternehmen, Nordrhein-Westfalen wegen der schlechten Finanzlage auf: So stiegen die Schulden in 22 von 29 Großstädten. Dabei sank der Schuldenstand aller untersuchten 73 deutschen Großstädte, wenn auch nur geringfügig um 0,2 Prozent. In absoluten Zahlen haben die Städte einen Schuldenstand von 4099 Euro je Einwohner hinzunehmen (Vorjahr 4166 Euro je Einwohner).

Schwierige Lage in Nordrhein-Westfalen

Am höchsten verschuldet ist Köln mit 5,3 Mrd. Euro unter allen deutschen Großstädten – gefolgt von München und Essen. Die FAZ, die aus der Studie der Unternehmensberater die Zahlen entnommen hat, beschreibt die Pro-Kopf-Verschuldung weiter: „Den höchsten Schuldenstand je Einwohner erreicht Oberhausen mit 9792 Euro und den niedrigsten Schuldenstand je Einwohner Braunschweig mit 394 Euro. Am stärksten stiegen die Schulden in Göttingen und Osnabrück. Hingegen erreichten Ingolstadt und Wolfsburg den höchsten Rückgang der Gesamtverschuldung. Allerdings müssten sich Wolfsburg mit dem Sitz des Autoherstellers Volkswagen und Ingolstadt mit dem Sitz deren Tochtergesellschaft Audi auf schwierigere Finanzzeiten einstellen, wenn infolge des Abgas-Skandals die Gewerbesteuerzahlungen sinken sollten.“

Anzumerken ist, dass durchaus kein Zusammenhang bei den Schulden der Städte selbst und der bei ihnen angesiedelten Unternehmen besteht. Allerdings: Die Untersuchung bezieht auch die Schulden ein, die Einrichtungen und Unternehmen haben, an denen die Stadt bis zu 100 Prozent beteiligt. Dabei ist festzuhalten: Eine Insolvenz brauchen öffentliche Unternehmen nicht hinzunehmen – es steigen halt die Schulden.

Quelle: Creditreform Wirtschaftsforschung, FAZ, Ernst&Young

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