Mittelstand im Herbst 2014 hält sich gut - vor allem Aussichten bleiben recht stabil

Von dem Abgleiten der Konjunktur in Richtung Rezession ist viel die Rede. Wird sich die europäische Konjunkturlokomotive ihren Nachbarn anschließen? Die aktuelle Herbstumfrage der Creditreform Wirtschaftsforschung zeigt allen gegenteiligen Äußerungen zum Trotz eine stabile Binnenkonjunktur in Deutschland sowie eine weiterhin gute Stimmungslage.

Stabil erweist sich der Creditreform Geschäftsklimaindex (CGK), der mit plus 18,4 Punkten nahezu den Stand des Vorjahres erreicht (Herbst 2013: plus 18,5 Punkte). Leicht abgeschwächt hat sich dabei aber der Teilindex, der die Lagebeurteilungen der Unternehmen zusammenfasst. Er notiert bei plus 19,1 Punkten nach plus 21,3 Punkten im Vorjahr.

Die Geschäftserwartungen im Mittelstand sind dagegen so günstig wie seit 2010 nicht mehr. Der entsprechende Teilindex erhöhte sich von plus 15,6 auf plus 17,6 Punkte. Damit bleiben die Geschäftsaussichten wenigstens für die kommenden Monate freundlich. Von Krisenstimmung ist der Mittelstand weit entfernt.

Stabile Lage bei positiven Erwartungen

Die Auftragslage im Mittelstand ist derzeit gut, auch wenn mit 31,9 Prozent etwas weniger Befragte als vor einem Jahr (34,7 Prozent) von gestiegenen Auftragseingängen berichteten. Dabei ist der Rückgang auf das Baugewerbe zurückzuführen, wo deutlich weniger neue Aufträge hereinkamen. Die weitere Auftragsentwicklung beurteilen die mittelständischen Unternehmen optimistisch. Vor allem im Handel und im Verarbeitenden Gewerbe gab es viele positive Äußerungen.

Die aktuelle Umsatzlage bietet dem Mittelstand ein solides Fundament für die gute Stimmung. So berichtete (ähnlich wie im Vorjahr) gut ein Drittel der befragten Unternehmen (35,2 Prozent) von einem Umsatzplus (Vorjahr: 37,4 Prozent) – jeder Siebte (14,7 Prozent) beklagte Umsatzeinbußen. Die Umsatzerwartungen der mittelständischen Unternehmen sind sogar leicht positiver als vor einem Jahr. 30,6 Prozent der Befragten rechnen mit steigenden Umsätzen (Vorjahr: 28,6 Prozent), während jeder Neunte (11,0 Prozent) Rückgänge befürchtet. Im Baugewerbe fielen die Erwartungen zur weiteren Umsatzentwicklung allerdings merklich verhaltener aus als im Vorjahr.

Hoher Personalbedarf im Mittelstand

Der Beschäftigungsaufbau im Mittelstand hat sich fortgesetzt. 28,7 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, mehr Mitarbeiter zu beschäftigen als im Frühjahr. In knapp jedem zehnten Unternehmen (9,2 Prozent) gab es Stellenstreichungen. Aufgestockt wurde vor allem im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Dienstleistungssektor. Der auch künftig hohe Personalbedarf im Mittelstand kündet davon, dass die Geschäftsaussichten von den Unternehmen insgesamt optimistisch beurteilt werden. So will immerhin gut ein Fünftel der Befragten (21,4 Prozent) im nächsten halben Jahr das Personal aufstocken. Vor einem Jahr lag dieser Anteil erst bei 14,6 Prozent. Überdurchschnittlich viele Unternehmen mit Aufstockungsplänen gibt es im Verarbeitenden Gewerbe und unter den Dienstleistern.

Die hohe Investitionsbereitschaft der Unternehmen korrespondiert mit den positiven Auftrags- und Umsatzerwartungen. Etwa die Hälfte der Befragten (49,6 Prozent) hat ein Investitionsvorhaben angekündigt. Mehr Unternehmen als im Vorjahr planen Erweiterungsinvestitionen.

Erträge ein wenig schwächer, Eigenkapital aber im Plus

Die Ertragslage wird von den befragten Unternehmen indes etwas schlechter beurteilt als vor einem Jahr. Betroffen hiervon ist vor allem das Baugewerbe, wo vor Jahresfrist noch 37,0 Prozent der Unternehmen Ertragsverbesserungen meldeten, es diesmal aber nur 23,1 Prozent sind. Gleichwohl sind die Ertragsaussichten des Mittelstandes insgesamt zuversichtlich. Knapp ein Viertel der Befragten (23,1 Prozent) erwartet eine Verbesserung der Ertragslage (Vorjahr: 20,0 Prozent).

Die Eigenkapitalsituation im Mittelstand hat sich im Zuge der guten Wirtschaftslage verbessert. Drei von zehn Unternehmen (29,6 Prozent) meldeten eine Eigenkapitalquote von über 30 Prozent und gelten somit als eigenkapitalstark. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebungen. Im Gegenzug ist der Anteil der Unternehmen, die unter Eigenkapitalknappheit leiden, von 31,1 auf 29,6 Prozent zurückgegangen.

Mit dem Zahlungsverhalten der Kunden sind die Unternehmen weitgehend zufrieden. 81,9 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass Rechnungen in der Regel nach 30 Tagen bezahlt sind (Vorjahr: 83,2 Prozent). Im Baugewerbe sowie im Verarbeitenden Gewerbe mussten die Unternehmen allerdings länger auf ihr Geld warten. Bei der Mehrzahl der Befragten traten Forderungsausfälle auf, die aber meist gering ausfielen. Nur 7,4 Prozent der Unternehmen mussten Forderungen in Höhe von mehr als 1,0 Prozent des Gesamtumsatzes abschreiben.

Leichten Abschwächungen bei der Beurteilung der aktuellen Konjunkturlage stehen die positiven Aussichten gegenüber. Bleibt die Hoffnung, dass die internationalen Spannungsfelder nicht auf die binnenwirtschaftlich geprägte Situation des Mittelstands durchschlagen.

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