Im Alter droht die Überschuldung

Schuldnerzahl und Schuldnerquote in der ältesten Schuldnergruppe sind im Jahr 2015 merklich angestiegen. Die Schuldnerquote beträgt hier mehr als ein Prozent (1,16 Prozent; + 0,10 Punkte; 60 bis 69 Jahre: 5,25 Prozent; + 0,29 Punkte) – 2015 müssen rund 150.000 Menschen in Deutschland ab 70 Jahren als überschuldet eingestuft werden (+ 16.000 Fälle; + 12 Prozent). Bei der nächstjüngeren Altersgruppe der 60- bis 65-Jährigen sind 2015 471.000 Überschuldungsfälle zu zählen (+ 28.000; + 6 Prozent). Die Anstiege liegen in diesem Jahr in beiden Altersgruppen deutlich über dem Durchschnitt, sind aber stärker auf einer Zunahme der Fälle mit geringer Überschuldungsintensität („nachhaltige Zahlungsstörungen“) zurückzuführen. Auffällig: Gerade in weiten Teilen der älteren Bevölkerung ist Verschuldung und risikobehaftetes Konsumverhalten auf Grund meist eher konservativ-bewahrender Wertvorstellungen verpönt, wie auch Detailanalysen der Milieuforschung belegen können.

Wie prekär die Überschuldung im Alter ist, zeigen Ausführungen des Statistischen Bundesamts: „Die durchschnittlichen Schulden einer überschuldeten Person, die im Jahr 2014 die Hilfe einer Beratungsstelle in Anspruch genommen hat, betrugen 34.504 Euro. Das war knapp das 34-fache des durchschnittlichen monatlichen Einkommens dieses Personenkreises (1.020 Euro). Ein durchschnittlicher Schuldner bräuchte demnach 34 Monate, um seine Verbindlichkeiten komplett zurückzuzahlen, wenn er all seine regelmäßigen Einkünfte für den Schuldendienst einsetzen könnte. […] Haben unter 25-Jährige zehnmal so hohe Schulden wie monatliche Einkünfte, so sind die Schulden bei über 65-Jährigen 53-mal so hoch wie das Monatseinkommen. Dies resultiert vor allem aus mit höherem Alter höheren Schulden, während sich die durchschnittlichen Einkommen zwischen den Altersgruppen weniger unterscheiden.“

Mit der Rente vor dem Schuldenberg

Ganz generell liegt das Schuldenvolumen bei älteren Schuldnern deutlich höher als bei jüngeren. Trotz allgemeinem Rückgangstrend hat sich das Schuldenvolumen bei den älteren Schuldnergruppen (70 Jahre und älter) spürbar erhöht. Die Schuldenvolumina aller anderen Altersgruppen gingen hingegen deutlich zurück, am deutlichsten bei der Gruppe der 55- bis 65-Jährigen. Ein Grund: Ältere Schuldner konnten vor dem Hintergrund meist höherer Einkommen auch häufig höhere Verbindlichkeiten eingehen und befinden sich häufig schon länger in einem Überschuldungsprozess. Daher werden in Zukunft die Hintergründe für eine Verstärkung des Trends zur Altersarmut stärker zu berücksichtigen sein.

Dies zeigen auch die aktuellen Daten zur so genannten Grundsicherung (Sozialgesetzbuch, SGB XII Sozialhilfe). Die Grundsicherung ist eine Sozialleistung, die das soziokulturelle Existenzminimum für ältere Menschen absichern soll. Im März 2015 waren rund 512.000 Rentner in Deutschland auf Grundsicherung angewiesen, zwischen 2005 und Ende 2013 stieg ihr Anteil um rund 49 Prozent an. 2014 wurden laut Statistischem Bundesamt von den insgesamt 26,5 Milliarden Euro Nettoausgaben für Sozialhilfeleistungen rund 5,5 Milliarden Euro (+ 5,2 Prozent zum Vorjahr) für die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung ausgegeben. Zudem zeigt sich diese Entwicklung auch bei der Analyse der „ausschließlich geringfügig entlohnt Beschäftigten“. Betrug der Zuwachs dieser Beschäftigtengruppe zwischen 2003 und 2013 rund 10 Prozent, lag er in der zusammengefassten Altersgruppe der über 65-Jährigen bei 47 Prozent. Hierbei lagen die Steigerungen der 70- bis 75-Jährigen bei rund 100 Prozent und bei den über 75-Jährigen bei 91 Prozent. Hierbei muss davon ausgegangen werden, dass große Teile dieser Personengruppen arbeiten gehen, um fehlende Mittel für den Lebensunterhalt zu beschaffen, da das Leistungsniveau der Rentenversicherung offensichtlich nicht mehr ausreicht.

Weiter arbeiten – nicht freiwillig

Wie eine Analyse der Entwicklung der ausschließlich geringfügig entlohnten Beschäftigten (aGeB) nach Alter belegen kann, betrug der Zuwachs in der Gesamtgruppe der „ausschließlich geringfügig entlohnt Beschäftigten zwischen 1999 und 2013 rund 43 Prozent. In der zusammengefassten Altersgruppe der über 65-Jährigen lag er bei rund 123 Prozent (über 60 Jahre: + 65 Prozent). Bei den jüngeren (unter 30 Jahre) stagnierte der Anteil ab 2004 und bei den mittelalten Personen (30 bis 60 Jahre) ging der Anteil ab etwa 2008 sukzessive zurück.

Das Problem alter Überschuldeter wird sich im Zeichen der demographischen Entwicklung und des Mangels an Rückhalt für die private Vorsorge in Zukunft noch verstärken. Lösungen – etwa über die Privatinsolvenz – sollten vielleicht gerade im Hinblick auf alte Menschen überdacht werden.

© 2018 Creditreform Saarbrücken

Kontakt

Kontakt Allgemein

Allgemeines Kontaktformular

Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier!

Kontakt